der Autor

Ludwig Thoma (1867 – 1921) gilt als DER Bayerische Schriftsteller schlechthin. Lange ein Freigeist im Trachtenjanker, später ein verbitterter Reaktionär. Gleichermaßen Dichter und Demagoge, ein widersprüchlicher Charakter.  

Thoma wurde in Oberammergau geboren, verbringt seine Kindheit im Forsthaus am Vorder-Riß, wo der Vater Oberförster ist. Als er sieben Jahre alt ist, stirbt der Vater, die Familie wird überraschend mittellos. Mutter Katharina, die nun sieben Kinder alleine durchbringen muss, betreibt ein Gasthaus in Prien am Chiemsee, später in Traunstein. Ludwig gilt seitdem als aufgeweckter, aber renitenter Schüler, durchläuft eine holprige Schullaufbahn mit häufigen Schulwechseln, die er später in seinen „Lausbubengeschichten“ verarbeiten wird. Nach dem Abitur will er zunächst an der Forstakademie Aschaffenburg studieren, bricht dies aber ab und nimmt an der Ludwig-Maximilian-Universität München ein Jura-Studium auf. 1894 führt Ludwig Thoma eine Kanzlei in Dachau und beschäftigt sich parallel mit Politik und Literatur, erste Zeitungsartikel und Gedichte werden veröffentlicht. Drei Jahre später zieht er nach München, seine Schriftstellerkarriere nimmt Fahrt auf, er schreibt Bücher, Bühnenstücke und wird fester Mitarbeiter, später leitender Redakteur der Satirezeitschrift Simplicissimus. Seine Werke sind geprägt von Scharfsinn, Spott, Satire, prangern die herrschende Scheinmoral und das Spießbürgertum an. Wegen „Beleidigung von Vertretern der Sittlichkeitsvereine“ wird er zu einer sechswöchigen Haftstrafe verurteilt, die er in Stadelheim absitzt. Desillusioniert von der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg zieht er sich in sein Haus am Tegernsee zurück, wirbt vergeblich um die verheiratete Maidi von Liebermann, Tochter einer wohlhabenden jüdischen Sekt-Dynastie. Mehr und mehr dominieren Hass und Verbitterung sein Leben, er verfasst antidemokratische und antisemitische Schmähschriften für den Miesbacher Anzeiger. Ludwig Thoma stirbt am 26. August 1921 an Magenkrebs. Sein Haus ist heute ein Museum.

Zu den bedeutendsten Werken Ludwig Thomas zählen unter anderem die Erzählung „Die Heilige Nacht“, die „Lausbubengeschichten“, das Lustspiel „Moral“, „Münchner im Himmel“, das Volksstück „Magdalena“ und seine Erinnerungen.

Darf man Ludwig Thoma noch spielen?

Unser Wunsch ist es, Ihnen einen angenehmen Theaterabend zu bereiten, doch die Entdeckungen der vergangenen Jahre über die antisemitische Haltung des Ludwig Thoma nach seiner Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg möchten wir weder ignorieren noch bagatellisieren.

Wir haben uns aus diesem Grund mit Ludwig Thoma und dem Stück gründlich und durchaus differenziert auseinandergesetzt und sind zu dem Schluss gekommen, dass „Erster Klasse“ (Uraufführung 1910) weder zeitlich noch inhaltlich auf Thomas spätere radikal-patriotische Seite hindeutet.
Zur Zeit in der das Stück entstand war der Autor mit seinen Veröffentlichungen sogar eher dem linksliberalen Spektrum zuzuordnen. Er arbeitete beim „Simplicissimus“ und später der Zeitschrift „März“ mit und machte sich in seinen Werken, auch in diesem, über die Obrigkeitshörigkeit seiner Zeitgenossen lustig.

Antisemitismus darf und wird keinen Platz in unseren Reihen bekommen und wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von dieser menschenfeindlichen Gesinnung in all ihren Ausprägungen.

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