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Landsberg

Aufwendige Produktion der „landsberger bühne“ mit wilden Räubern und emanzipierten Frauen

Das Wirtshaus im Spessart ist schon immer ein Stück, in dem die Frauen Heldinnen sind. Im Film mit Lilo Pulver – im Landsberger Stadttheater Steffi Maier und Daniela Echterbruch

Von Alexandra Lutzenberger | 

11.01.26, 12:05 Uhr

Es ist ein Verwirrspiel im „Wirtshaus im Spessart“ im Film wie im Theater. Auch wenn hier einiges anders ist und man schon genau aufpassen muss, damit man am Ende auch alles mitbekommt. Denn nicht immer zündet die Ansammlung von Sprüchen und Weisheiten in der Komödie von Peter Ralph Dollinger (auch Regie) nach der gleichnamigen Novelle von Wilhelm Hauff, um das Wirtshaus im 18. Jahrhundert im Spessart.

„Ein Schwur aus Worten, nichts ist vergänglicher“ oder „Liebe rostet, Geld nicht“ sind nur zwei von (zu) vielen Sprüchen. Ein richtiger Theaterdialog ist da manchmal schwierig, um die Handlung in Schwung zu halten. Schwung kommt in die Handlung durch die perfekte Drehbühne, die sowohl das Wirtshaus als auch eines der Gastzimmer und ein Lager der Räuber darstellt. Produziert wurde die Bühne von der Schreinerei Ostner aus Asch und Sabine Mühlbauer kümmerte sich um die Ausstattung und Umsetzung. Die Bühnenbildidee stammt auch von Dollinger und ist sehr gelungen, denn die Bühne ist wegen der ständigen Ortswechsel wichtig für das Verwirrspiel rund um eine Gräfin. Die Handlung erinnert sehr an den amüsanten Film aus dem Jahr 1958 mit Liselotte Pulver als Komtesse Franziska, in dem sie mit dem Handwerksburschen Felix (Helmut Lohner) die Kleider tauschte, um nicht in die Gewalt der Räuber zu geraten. Ein wenig muss man auch an Charlys Tante denken. Kurz alles da, für eine Komödie. Die Schauspieler sind hier sehr engagiert und haben Spaß. Die Geschichte rund um eine Räuberbande im Wald, die Lösegeld für eine Gräfin erpressen will, ist angereichert mit einigen Liebespaaren und einem jungen Goldschmied (Tom Marcel Igelhaut). Er ist der Patensohn der richtigen Gräfin (Steffi Maier) und bringt ihr ein wertvolles Geschmeide, das er neu gefertigt hat, zurück. Unbemerkt an den gefährlichen Räubern vorbei. Beeindruckend ist, mit welcher Spielfreude die Akteure alle auf dieser Bühne stehen. Egal, ob ganz junge Mitglieder oder langjährige Schauspieler, sie haben große Lust am Theater. Auch das Premierenpublikum kann sich diesem Enthusiasmus nicht entziehen und spendet Beifall. Verdient für so manche schauspielerische Leistung. Schwierig ist es im Stück gerade am Anfang, dem Text zu folgen und überhaupt ins Geschehen zu kommen. An manchen Stellen ist das Ganze zu langatmig, wirkt sperrig und schwer verständlich. Die Intention, die Ausgestoßenen der Gesellschaft, ähnlich wie bei Robin Hood zu zeigen, kommt im Stück kaum zum Ausdruck. Unglaublichen Spaß macht die Musik des Trios Nautico mit Karsten Gnettner am Kontrabass, Bernd Hess an der Gitarre und Stephan Reiser (Klarinette und Saxofon). Auch der Gesang und Tanz der Räuber sind lustig, mit Seth Complin, Stefanie Lamy, Ulrike Stamm und Katharina Litzenberg. Complin begeistert mit einem ungewöhnlichen Steppsolo. Waldbewohner Pudelmus Puck (Patricia Eckstein) ist ein netter Einfall, um die Zuschauer in die Vorgänge im Wald einzuführen. Im zweiten Teil des Stücks kommt langsam Fahrt in das Geschehen. Das Bild der Frau und ihre Stellung sind ein interessantes Thema im Stück, vor allem wie es den Damen gelingt, sich durchzusetzen. Das ist sicher der Verdienst der heimlichen Stars dieser Inszenierung, und das sind die Gräfin (Steffi Maier) und Daniela Echterbruch als Wirtin. Sie rocken die Bühne und spielen ihre Männer mit links aus. Nicht der Räuberhauptmann (Matthias Bartels) hat hier das Sagen in der Waldwirtschaft, sondern seine Frau. Und auch die Gräfin denkt nicht dran zu machen, was ihr Mann (Harald Dollinger) sagt. Hier wirkt der Text auf einmal und auch die Pointen sitzen. Es ist eine tolle Ensembleleistung, die ein Stück, mit Schwächen, doch sehenswert macht.

Zudem ist es immer wieder schön, so viele Mitglieder des Ensembles (16 allein auf der Bühne) vor und hinter der Bühne agieren zu sehen. Die künstlerische Gesamtleitung hat Diedke Moser, die Choreografie ist von Claudia Dlugosch. Dollinger hatte auch die Landsberger Sommernachtsphantasie für die Bühne geschrieben. Seine Fassung der Räuber im Wirtshaus ist in jedem Fall auch für Kinder geeignet. Die Vereinsgeschichte ist dieser Gruppe beeindruckend und findet man auf der Homepage der Bühne. Der Verein wurde als Laienspielbühne der VHS Landsberg im Jahr 1963 gegründet. Gründungsmitglieder waren Josef Pschorr, Konrad Gerum, Hansjörg Falkner, Konrad Vivell und Oscar Hocke. Oft schon hatte die Gruppe große Erfolge und Stücke, die weit über das Laienniveau hinausgingen. Das zeigte sich musikalisch vor allem auch bei der Produktion „Im Weißen Rössl“. Die Auswahl der Stücke hängt von den zur Verfügung stehenden Darstellern ab. Anfangs unterhielten und begeisterten die Schauspieler ihr Publikum mit Komödien, Lustspielen und Schwänken. Inzwischen jedoch ist der künstlerische Anspruch der Laienspieltruppe auch über literarische Klassiker hinausgewachsen. Oktober 1995 wurde das sanierte Landsberger Stadttheater wieder eröffnet – und zum regelmäßigen Spielort für die Laienspielbühne.
Und zu diesen Jubiläen gab es auch bei der Premiere am Freitag eine Pauseneinladung fürs Publikum. Herzhaftes Gebäck und die Getränke waren in der Pause frei. „Vor 30 Jahren wurde unser Verein unter dem neuen Namen landsberger bühne als Verein neu gegründet, und wir wollen an unsere Inszenierung vor 30 Jahren zur Wiedereröffnung des renovierten Stadttheaters erinnern und das feiern. Ein Ereignis, das unseres Erachtens zu kurz gekommen ist“, sagt Mike Bischof von der labü. Zudem sei es ein einmaliges Dankeschön an die treuen Premierenbesucher der „landsberger bühne“ gewesen. Die labü hatte sich mit großem Einsatz für den Erhalt des Bürgertheaters eingesetzt.

1997 erhielt die Laienspielbühne der VHS Landsberg einen neuen Namen und Vereinsstatus als landsberger bühne e.V.

Die Landsberger Bühne lädt ins „Wirtshaus im Spessart“

Stand:13.01.2026, 07:27 Uhr    Von: Manuela Obermeier

Auf ins Wirtshaus zum Spessart! Die landsberger bühne spielt ihre Januar-Produktion noch mehrere Male im Landsberger Stadttheater. © Manuela Obermeier

Januar. Das heißt: Die landsberger bühne präsentiert ihr Winterstück. Diesmal nimmt das Laienensemble das Publikum mit ins „Wirtshaus im Spessart“.

Landsberg –

„Wir starten mit Ihnen turbulent ins neue Theaterjahr 2026“ verspricht die „landsberger bühne“ auf ihrer Homepage und bringt dafür „Das Wirtshaus im Spessart“ auf die Bretter des Stadttheaters. Vielen dürfte noch die Verfilmung aus dem Jahr 1958 mit Liselotte Pulver als Komtess und Carlos Thompson als Räuberhauptmann ein Begriff sein, die seinerzeit große Erfolge feierte. Sowohl das filmische Lustspiel als auch die Inszenierung von Peter Ralph Dollinger beruhen auf einer Novelle von Wilhelm Hauff von 1826, wobei sich Dollinger, der sowohl das Stück geschrieben als auch Regie geführt hat, näher am Original orientierte.


Landsberger Bühne spielt „Das Wirtshaus im Spessart“ – Komödie mit Musik vom Trio Nautico
Bevor das Verwirrspiel um falsche Gräfinnen und echte Räuber beginnt, schreitet Constanze Günther als Polizistin in Uniform im Parkett auf und ab und warnt das Publikum vor dem gefährlichen Ort, an dem es sich befindet, und rät dringend dazu, nicht nur den Schmuck unter der Kleidung zu verbergen, sondern auch die Handys stumm zu schalten und tief in den Taschen zu vergraben. Von letztgenannter Aufforderung fühlen sich offensichtlich einige der Premierengäste angesprochen, denn so mancher greift prompt nach seinem Telefon.

Ganz in grünes Licht getaucht, nimmt danach Patricia Eckstein als quirliges Waldwesen Pudelmus Puck zuerst das Publikum und dann den Goldschmied Felix Perner (Tom-Marcel Iglhaut) und den Waffenschmied Siegesmund Munter (Max Kaufmann) in Empfang und weiht sie in die Vorgänge im Wald ein. Iglhaut und Kaufmann sind zwei der neuen Gesichter im Ensemble der landsberger bühne. Sie meistern ihre großen Rollen mit sichtlicher Spielfreude, mit der sie sich gegenseitig auch über die kleine Widrigkeit hinweghelfen, dass sich ein Streichholz partout nicht anzünden lassen will. Auch die übrigen vierzehn Darsteller zeigen Enthusiasmus in ihren Rollen – genau wie das TRIO NAUTICO mit Karsten Gnettner am Kontrabass, Bernd Hess an der Gitarre und Stephan Reiser an der Klarinette, das die Aufführung mit Stücken wie „Gangsta’s Paradise“ von Coolio musikalisch hervorragend untermalt und dafür am Ende einen absolut verdienten und fast nicht enden wollenden Extra-Applaus erntet.

Dollinger belässt es nicht dabei, seine Darsteller ausschließlich auf der Bühne auftreten zu lassen. Wie schon zuvor Puck, der sowohl vor der Bühne als auch inmitten der ersten Reihe agierte, bahnen sich auch die beiden Handwerksgesellen ihren Weg zum Wirtshaus direkt durch das Publikum. Und auch die Räuberbande erobert später den Saal von der letzten Reihe her.

Im Wirtshaus treffen Perner und Munter auf die selbstbewusst polternde Wirtin Mechthilde (Daniela Echterbruch), ihre Nichte und Magd Mathilde (Carola Schuppert), den in Liebesdingen glücklosen Studenten Karlheinz Jungherr (Ferdinand Proft) und Fuhrmann, den Mann der Wirtin und Räuberkommandant, mit viel Esprit verkörpert von Matthias Bartels. Das Verwirrspiel beginnt, als Lotte Gräfin zu Sandau (Steffi Maier), ihre Zofe Julia (Lilli Abel) und Jäger Gottfried (Ralph Wilbert) eintreffen und die Räuberbande plant, die Gräfin zu entführen, um Lösegeld von ihrem Gatten zu erpressen.

Die Landsberger Bühne – und der steppende Gesetzlose Karpfen

Bis dahin ist es nicht immer leicht, dem Text zu folgen und sich im Geschehen ein- und gegen Ende auch zurechtzufinden. Manche Sätze oder Dialoge klingen umständlich, erschließen sich nicht gleich beim ersten Hören und lassen einige Stellen etwas langatmig werden. Dafür entschädigt aber unter anderem der temporeiche und energiegeladene Auftritt der Gesetzlosen Karpfen (Seth Complin), Plotz (Stephanie Lamy), Hundt (Katharina Litzenberg) und Prinz (Ulrike Stamm), die singend durch den Saal und über die Bühne tanzen. Complin, ebenfalls ein neues Gesicht bei der landsberger bühne, legt sogar eine Stepptanz-Einlage hin.

Dollinger sagt, er habe ein Stück erschaffen wollen, „das nicht nur humorvoll unterhalten, sondern auch auf die harten Verhältnisse“ der Gesetzlosen und Ausgestoßenen hinweisen sollte. Dies klingt allerdings nur sehr zaghaft an und geht in der Handlung größtenteils unter. Das Schicksal und harte Leben, das Frauen zu dieser Zeit führen mussten, kommt hingegen in einer Gesangseinlage eindrücklich zur Geltung. Dennoch sind es in dieser Inszenierung gerade die Frauen, die Stärke zeigen, was Daniela Echterbruch und Steffi Maier in ihrem Spiel auch ausgezeichnet transportieren: die Wirtin, die gegenüber dem Räuberhauptmann das Sagen hat, und die Gräfin, die ihren geizigen Gatten – Harald Dollinger sehr amüsant in der Rolle von Hans Graf zu Sandau -–am Ende austrickst.

Besondere Erwähnung verdient neben den Kostümen und den Requisiten die Drehbühne, die es erlaubt, sowohl das Wirtshaus als auch ein Zimmer im ersten Stock und das Räuberlager darzustellen. Insgesamt ist „Das Wirtshaus im Spessart“ trotz kleiner Schwächen ein sehenswertes Stück mit einem Ensemble, dem man die Spielfreude ansieht. Diese Leistung wurde durch das Premierenpublikum durch lang anhaltenden Applaus gewürdigt.

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