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Sonntag, 20.05.2012


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harold&maude

Maximilian Huber 
HAROLD     &
                              MAUDE

Barbara Mohrenweis 

Maude                         Barbara Mohrenweis

Harold                         Maximilian Huber

Mrs. Chasen               Claudia Dlugosch

Mary                             Daniela Echterbruch

Dr. Mathews              Ralph Wilbert

Pater Finnegan          Karlheinz Ehelechner

Sylvie Gazel                Kassandra Kittel

Nancy Mersch            Lilli Moskov

Sunshine Doré           Daniela Lang

Friedhofsgärtner,

Inspektor Bernard,

Masseur                     Benjamin Hellmann

Regie                           Franziska Dietrich

 

pressestimmen

Von Sonnenblumen und Schrottautos

Kreisbote, 05.05.2010


Von PATRICIA ECKSTEIN,
Landsberg – Die Bühnenfassung eines Kultfilms hat es nicht leicht, zu hoch die Messlatte, zu mächtig die Bilder, die (fast) jeder Zuschauer im Kopf hat. Doch bewies die „landsberger bühne“ unter der Regie von Franziska Dietrich am Samstagabend, dass sich ihre Inszenierung von Colin Higgins schwarzer Komödie „Harold und Maude“ nicht vor der Filmversion verstecken muss.
„Der Tod lächelt uns alle an, das einzige, was man machen kann, ist zurücklächeln“ – dieses Zitat von Marc Aurel steht programmatisch über der Inszenierung. Für Harold lächelt der Tod nicht, er schreit ihn an, verlockt und fasziniert ihn, bleibt jedoch eine abstrakte Größe. Er hingegen instrumentalisiert ihn, um die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu gewinnen und sich vor ihren Verkupplungsversuchen zu schützen. Maximilian Huber spielt den Harold weniger düster-depressiv, sondern versponnen; ein liebenswerter Exzentriker, der sich mit versonnenem Lächeln mal eben die Hand abhackt oder seinen Sarg abfackelt. Wirkte Huber anfangs noch angespannt, ging er doch schnell in seiner Rolle auf und überzeugte besonders in der zweiten Hälfte mit der wachsenden Zuneigung zu Maude, seiner Emanzipation gegenüber der Mutter und der dramatischen Geburtstagsfeier, die mit Maudes Tod endet. Wunderbar das Zusammenspiel zwischen dem jungen Maximilian Huber und Barbara Mohrenweis. Ihre Maude ist kraftvoll, positiv, bringt ihre verrückten Ideen so überzeugend vor, dass sie selbstverständlich erscheinen, egal, ob es darum geht, eine gefangene Robbe wieder zum Meer zu bringen oder sogar in letzter Konsequenz, an ihrem 80. Geburtstag, „zu neuen Horizonten aufzubrechen“. Prallen mit Harold und Maude anfangs zwei Welten aufeinander, treffen Schrottautos auf Blumen, nähern sie sich langsam aneinander an, bringt Maude dem orientierungslosen Jungen bei, das Leben zu bejahen, selbst ohne sie. Den Protagonisten gelingt es, die Liebe dieser beiden unterschiedlichen Menschen überzeugend und anrührend darzustellen, ohne zu überziehen oder ins Lächerliche abzugleiten.
Auch bei der Besetzung der Nebenrollen traf Franziska Dietrich wieder eine glückliche Wahl. Urkomisch Claudia Dlugosch als oberflächliche Mutter, der ihr Teppich wichtiger ist als ihr Sohn. Witzige Akzente setzt auch Daniela Echterbruch als zunächst korrektes Dienstmädchen, das sich aber vom Wahnsinn des Chasen-Haushalts anstecken lässt und schließlich nur noch irre kichert. Ralph Wilbert als Psychiater kapituliert vor dem schweren Fall Harold und wendet sich lieber dessen Mutter zu, Karlheinz Ehelechners Pater Finnegan versucht sich tapfer an der Aufgabe, dem Jungen die Ehe mit der mehr als 60 Jahre älteren Frau auszureden.
Doch nicht nur im Spiel selbst hat die „landsberger bühne“ mit special effects gearbeitet, hat sie doch einen ganzen Wohnwagen auf die Bühne gestellt, der, umgeben von charmantem Chaos das Heimvon Maude darstellt. Besondere Stimmung verbreiten die Diaprojektionen und die Klaviermusik von Michael Lauterbach. Die Lust am Leben zu leben, das wollte diese Inszenierung den Zuschauern laut Programmheft mit auf den Weg geben. Das ist gelungen, oder, um den Bogen zum Film und dessen Soundtrack zu spannen: „If you want to sing out – sing out!“


 
Premierenbesprechung
Landsberger Tagblatt

Von komisch bis anrührend

02.05.2010

von Bärbel Knill


Regisseurin Franziska Dietrich beweist mit dieser Inszenierung wieder einmal ein wirkliches Händchen für Besetzungen. Barbara Mohrenweis spielt das gealterte Blumenmädchen überzeugend. Resolut und selbstsicher ist diese Maude, dabei grenzenlos versponnen und spontan - die Darstellerin bringt die Entschlossenheit wie die Feinfühligkeit und Würde der Figur glaubwürdig zum Ausdruck, ob sie nun durchsetzt, dass ein verkümmertes Bäumchen auf dem Friedhof gepflanzt wird, im Kimono herumtanzt oder Harold die Wunder des Alltags eröffnet.

Auf Maximilian Huber als Harold war man gespannt. Der junge Mann wirkte zu Beginn des Stücks in seiner ersten Hauptrolle etwas angespannt und unfrei - doch das passt sogar ganz gut zur Rolle. In der zweiten Spielhälfte ging er dann doch mehr aus sich heraus, hier meisterte er die schwierigen Szenen seiner Figur überzeugend: Wie es zu intimer Vertrautheit und zum Kuss mit Maude kommt oder wie er nach Maudes Tod verzweifelt die Dekoration der Geburtstagsfeier zerfetzt und bitterlich weint - da schafft es Maximilian Huber, die Herzen der Zuschauer anzurühren.

Amüsante Überzeichnung

Amüsanter Kontrapunkt zur empfindsam-ernsthaften Liebesgeschichte von Harold und Maude ist die Figur der Mrs. Chasen - ständig im Stress, überdreht und aufgetakelt. Claudia Dlugosch brilliert in ihrer Rolle mit gekonnter Überzeichnung und entlarvt mit ihrem Spiel die lächerliche Werteorientierung einer aufstrebenden amerikanischen Mittelschicht - überaus komisch die Szene, in der Harold einen Fragebogen ausfüllen soll und letztlich sie selbst alle Fragen beantwortet.

Die Inszenierung ist gespickt mit kreativen, wirklich komischen und überraschenden Elementen, bei denen das Publikum mit Lachen oder Aufschreien reagierte: Gleich zu Beginn hängt sich Harold auf, später liegt sein Kopf auf einem Silbertablett auf dem Servierwagen, Flammen schlagen aus einem Sarg. Zwischen den beiden Spielorten - Maudes romantischem Wohnwagen im Flohmarkt-Flair und Harolds nüchternem Elternhaus - ist eine Leinwand gespannt, auf der abwechselnd Hintergründe projiziert werden oder Schattenspiele erscheinen - die Techniken werden geschickt eingesetzt und schaffen im Zusammenspiel mit Geräuscheinspielungen wirkungsvolle Illusion.

Auch die kleineren Rollen sind sorgfältig besetzt, etwa die drei jungen Heiratskandidatinnen Sylvie, die Intellektuelle (Kassandra Kittel), Nancy, das biedere, schlichte Gemüt (Lilli Moskov) und Sunshine, der kleine Möchtegern-Star (Daniela Lang). Ebenso passend Ralph Wilbert als der nüchterne Psychologe, der Harolds Mutter Avancen macht, und Karlheinz Ehelechner als Pater Finnegan, der Moral und Ordnung vertritt (ihm fällt die Schlüsselszene zu, mit Harold über den Vollzug der Ehe zu sprechen, von „welken Brüsten und hängendem Hintern“, die natürlich für Heiterkeit sorgt).

Applaus und Jubel

Ein Stück, bei dem sich das Potenzial der landsberger bühne ganz entfalten kann, unterstützt von der einfühlsamen Musik von Michael Lauterbach. Die perfekt und liebevoll gestalteten Details machen Spaß, die Inszenierung ist straff und kurzweilig gehalten.

Das Publikum dankte der heimischen Truppe mit donnerndem Applaus und Jubelrufen.



Viel Erfahrung und jugendliche Neugier

29.04.2010  Landsberger Tagblatt

Von Romi Löbhard


Seit 40 Jahren bei der Bühne aktiv

In Landsberg stehen mit Barbara Mohrenweis als Maude und Maximilian Huber als Harold zwei Darsteller auf der Bühne, die, zumindest was den Altersunterschied angeht, dem Paar im Stück mühelos das Wasser reichen können. Und auch sonst tun sich bei den beiden Unterschiede auf: Barbara Mohrenweis (75), seit 40 Jahren bei der landsberger bühne aktiv, hat erste Theatererfahrungen bereits in der Schule und bei der Katholischen Jugend gesammelt. Gerade mal auf vier Jahre „landsberger bühne“ bringt es Maximilian Huber (20). Mohrenweis wurde seinerzeit von Peps Pschorr eingeladen mitzuspielen, für Huber ergab die Nähe seiner Wohnung zum Probenraum erste Kontakte. „Ich hab da zugeschaut, wurde eingeladen mitzumachen, und hab erstmals bei ,Figaros Hochzeit’ im singenden Volk mitgewirkt“, erzählt der Jungspund.

Interessante und aufregende Proben

Auf der einen Seite also reiche Erfahrung in vielem, auf der anderen Seite jugendliche Neugier, noch wenig Praxis - wie geht das zusammen? „Die Chemie stimmt, wir haben uns vor der aktuellen Produktion schon gut verstanden“, erklärt Barbara Mohrenweis. Das oft und arg strapazierte Wort vom „Generationenkonflikt“ passt also absolut nicht, wie beide bestätigen. Dass er als junger Mann eine ältere Dame küssen und eine Liebesbeziehung anfangen soll, hat sich Maximilian Huber vorher schon schwierig vorgestellt. Das Gegenteil ist eingetroffen: „Die Proben sind interessant und aufregend“, erzählt der männliche Hauptdarsteller begeistert, „Barbara gibt viel Sicherheit, ich kann mich dadurch im Theaterstück gut in Maude reinfühlen.“ Auch könne er sich in Harold, sein Alter Ego für die Zeit der Aufführungen, gut hineinversetzen. „Harold sucht Liebe“ sagt Maximilian Huber - „Maude nimmt ihn ernst“, ergänzt Barbara Mohrenweis, die ihre Maude humorvoll, aber nicht klamaukhaft, ernst, jedoch ohne Traurigkeit geben will.

Das Stück schwirrte der Regisseurin schon länger im Kopf herum. „Ich hab eine Rolle für dich, aber da bist du noch zu jung“, habe Regisseurin Franziska Dietrich schon vor Jahren zu ihr gesagt, erinnert sich Barbara Mohrenweis. Ihre Antwort darauf? „Wart nicht so lang, bis ich zu alt bin und mir nichts mehr merken kann“, erzählt die Hauptdarstellerin schmunzelnd. Jetzt war offensichtlich die Zeit reif, eine ideale Besetzung war gefunden. „Harold & Maude“ nach dem Drehbuch von Colin Higgins werden in den kommenden zwei Wochen im kleinen Wohnwagen auf der Bühne im Landsberger Stadttheater ihre Individualität leben beziehungsweise finden.

Weitere Mitwirkende: Claudia Dlugosch, Daniela Echterbruch, Daniela Lang, Lilli Moskov, Kassandra Kittel, Karl-Heinz Ehelechner, Ralph Wilbert, Benjamin Hellmann.

inhalt

Liebe das Leben – es hat es verdient!

Die landsberger bühne e.v. spielt Harold & Maude von Colin Higgins

 

Warum ist ein vom Schicksal reich bedachter junger Mann so fasziniert vom Tod, dass er fast seine gesamte Energie in perfekt arrangierte Selbstmordszenarien fließen lässt? 

Und wie schafft es eine alte Dame, trotz eines durchaus nicht immer einfachen Lebens, dieses in vollen Zügen zu genießen und sich von Widrigkeiten verschiedenster Art nicht unterkriegen zu lassen?

Der junge Mann, Harold, versucht die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu erlangen, die sich ausschließlich damit beschäftigt, nie zweimal gleich gekleidet das Haus zu verlassen. Durch Zufall wird Harold Zeuge, wie seine sonst so oberflächliche Mutter fälschlicherweise davon unterrichtet wird, dass er bei einem Unfall in der Schule ums Leben gekommen ist und verfällt danach auf die Idee mit den inszenierten Selbstmorden.

Auch sonst kann er nicht als durchschnittlicher junger Mann gelten: Er fährt einen Leichenwagen und verbringt seine Freizeit mit Vorliebe auf Friedhöfen und bei Beerdigungen.

Eines Tages begegnet er auf einem solchen Friedhof der alten Dame, Maude, die sein Leben auf den Kopf stellen wird.

Sie ist von altem europäischem Adel und lebt in einem kleinen Wohnwagen zusammen mit einer schier unübersehbaren Menge an lieben Erinnerungsstücken. Sie ist energisch, impulsiv und vor allem mit einer unbändigen Lust am Leben ausgestattet und all das fasziniert Harold. Es entwickelt sich eine unkonventionelle Freundschafts- und Liebesgeschichte zwischen diesen beiden ungleichen Menschen – gegen alle Vorurteile der Gesellschaft und vor allem der Mutter. Alle Versuche, Harold mehr oder weniger freiwillig „zur Vernunft zu bringen“ scheitern kläglich an Maudes Pragmatismus und unbekümmerter Individualität, die sie auch an Harold weitergeben kann, der es endlich schafft, sich vom Tod weg-, dem Leben zuzuwenden.

Colin Higgins hat mit Harold & Maude eine skurrile und durchaus makabre Komödie geschaffen, die die Unzertrennlichkeit von Leben und Tod auch auf traurige aber vor allem äußerst lustige Weise darstellt.

 

 


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