Nach acht Jahren bringt die „landsberger bühne“ beim Ruethenfest das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ in einer Wiederaufnahme diesmal auf rollende Bretter. Das Ensemble zieht wie in alten Zeiten mit dem Theaterkarren durch die Stadt und spielt an verschiedenen Plätzen der Altstadt.
Am Wochenende war die Truppe bereits mit dem Ochsengespann „Max und Moritz“ im Vorder- und Hinteranger unterwegs, um Werbung für die Aufführungen zu machen, die nicht nur für Kinder gedacht sind. Premiere des Stücks ist am Donnerstag, 14. Juli, 18.30 Uhr auf dem Rossmarkt. Weitere Aufführungen: Samstag, Sonntag, 16./17. Juli, Leonhardiplatz, Donnerstag, 21. Juli, Rossmarkt, Freitag, 22. Juli, Hauptplatz und Samstag, 23. Juli, Vorder-/Hinteranger.
Juri Olbrich als Fischer und Diedke Lichtenstern als die stets unzufriedene Isebill, die auch als Papst noch nach Höherem strebt auf der rollenden Theaterbühne.
Foto: Foto: Julian Leitenstorfer
Landsberg Auf den zweiten Versuch hat es dann doch geklappt: Nachdem die ursprünglich für Mittwoch geplante Premiere wegen schlechten Wetters abgesagt werden musste, konnten die Mitglieder der landsberger bühne Tags darauf ihr Stück zum Ruethenfest – „Der Fischer und seine Frau“ – präsentieren. So hielten die rund 30 Schauspieler, Komparsen und Helfer lautstark mit Akkordeonmusik und Paukenschlägen, ihrem Theaterwagen, der von zwei Ochsen gezogen wird, sowie mit jeder Menge Requisiten im Gepäck Einzug am Rossmarkt. Weit über hundert Zuschauer hatten sich zunächst eingefunden, und im Laufe des Spiels wurden es sogar noch etliche mehr.
Mit der auf die Region zurechtgeschnittenen Interpretation des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm knüpft die Bühne an das Jahr 2003 an, als das Stück ebenfalls anlässlich des Ruethenfests aufgeführt wurde. Nachdem im Jahr 2007 mit „Der Habnit“ ganz im klassischen Sinne wieder eine Episode aus der Stadtgeschichte gezeigt wurde, habe man sich nun erneut dazu entschieden, auf das kindgerechte Märchen vom Butt, der Wünsche erfüllt, und der unzufriedenen Fischersfrau Isebill zurückzugreifen, erklärt Rosemarie Vivell vom Theaterverein: „Weil das Ruethenfest eine Veranstaltung von Kindern für Kinder ist, wollten wir ihnen etwas bieten, wobei sie sich selbst beteiligen können.“
In diesem Sinne bereitete Matthias Spandl, der unter anderem in die Rolle des Erzählers schlüpfte, die Kinder und Eltern zur Einstimmung auf ihre Rollen vor: Mit schwenkenden Armen und zischenden Lauten mussten diese nämlich auf ein Zeichen hin die reißenden Wellen und tosenden Fluten des Lechs imitieren.
Laienschauspieler im Einsatz
Und weil auch das „Wetter“ mit jedem Wunsch des Fischers Jan alias Juri Olbrich an den Butt ungestümer wurde, kamen nach und nach die Geräusche von Wind, Regen und Donner hinzu. Dies wurde von den Komparsen mithilfe von Blechen oder mit Erbsen befüllten Sieben zudem effektvoll untermalt.
Kinder dürfen alle mitspielen
Doch nicht nur vor der Bühne, auch darauf kamen selbst die Kleinsten als Laienschauspieler immer wieder zum Zug. So wurden zum Beispiel Sänftenträger und Diener für den Grafen „Isebill“ (Diedke Lichtenstern) benötigt. Bei einem Fest im Schloss des Kaisers kamen unter penibelster Beachtung des Hofzeremoniells sogar Herolde, Fahnenträger und Soldaten zum Einsatz. Vor ihren Auftritten wurden die Kinder jeweils mit Requisiten ausgestattet, bekamen Lanzen und Helme oder durften in Kostüme schlüpfen.
Der sichtlich engagierte und leidenschaftliche Auftritt aller Schauspieler regte das Publikum wiederholt zum Lachen an und auch an Applaus hat es während des Stücks nicht gefehlt. Zentraler Stellenwert kam dem großen Märchenbuch zu, das mit einer Fläche von etwa drei mal drei Metern als Kulisse des Theaterwagens dient. So manches erstaunte Raunen ging durch die Reihen der Besucher, wenn Matthias Spandl die bunt bemalten Seiten zu den Szenen aufblätterte.
Eine besondere Herausforderung hatte Sepp Wörsching in seiner Rolle als Butt zu meistern. Denn in dem Kostüm mit dem überdimensionalen Fischkopf konnte er kaum etwas sehen. Deswegen wurde er jeweils von zwei Damen in barocken Kleidern, mit gepuderten Gesichtern, Lockenperücken und Sonnenschirmen auf die Bühne geführt. „Es ist schwer, ohne Mimik zu schauspielern“, sagte er nach der Vorstellung. Da allerdings in den vergangenen drei Monaten ein bis zwei Mal die Woche geprobt wurde, habe er genug Zeit gehabt, sich darauf einzustellen. Mit der Premiere zeigte er sich äußerst zufrieden: „Es ist toll, wie viele Leute gekommen sind und wie gut das Publikum mitgemacht hat.“ Besonders liege es ihm am Herzen, den Kindern mit dem Märchen eine Freude zu bereiten, aber auch die Botschaft zu vermitteln, wie wichtig die Eigenschaft der Bescheidenheit im Leben ist.
Diedke Lichtenstern hatte Spaß daran, mit einer fahrbaren Bühne aufzutreten, weil dies passend zum Ruethenfest an die Wurzeln des Theaters und die Zeit der umherziehenden Schausteller des Mittelalters erinnere. Dass sie sich während des rund 40-minütigen Stücks fünfmal umziehen musste, habe ihr im Gegensatz zu den Helferinnen keine Schwierigkeiten bereitet. Aufgrund der niedrigen Temperaturen habe sie dabei lediglich etwas frösteln müssen.