Landsberg Gabriel Raum muss seine Pumps, Schuhgröße 47, noch einlaufen. Franziska Dietrich lernt hinter der Bühne ihren Text. Und Benjamin Hellmann ist auf der Suche nach einem fehlenden Knopf seines Hemds. Bis zur Premiere des Stücks "Cash" am Freitag im Stadttheater sollen diese kleinen Hindernisse der letzten Proben vergessen sein. Und die Zuschauer können sich - das zeigten schon die Testläufe in dieser Woche - auf eine rasante und witzige neue Aufführung der landsberger bühne freuen.Von Kathrin Löther
Während Eric Swan (Harald Dollinger) mit dem Außenprüfer des Sozialamts (Benjamin Hellmann) diskutiert, der nah dran ist, seinen Betrügereien auf die Schliche zu kommen, taucht Untermieter Norman Basset (Matthias Spandl) als verkleidete Frau auf. Und macht damit alles noch absurder, als es ohnehin schon ist ...
Seit August bereiten sich die Mitglieder auf die Vorstellung vor: Bühnenbau, Kostüme, Technik, Schauspieler. Alles ist in Schwarz, Pink und Weiß gehalten, von der Kleidung über die Kulisse bis hin zum Programmheft. "Cash - Und ewig rauschen die Gelder" ist die erste Boulevardkomödie, die Regisseurin Sabine Kittel inszeniert hat. Eine Herausforderung für sie und die Darsteller. Denn das Stück des Briten Michael Cooney verspricht einen etwas anderen Blick auf das viel diskutierte Thema Sozialstaat und verlangt deutlich überzogene Charaktere. Es handelt von Eric Swan (Harald Dollinger), der zusammen mit Onkel George (Götz Hofmann) Altersrenten einheimst und Kindergeld, Reha-Unterstützung und Schlechtwettergeld - alles für seine angeblichen zahlreichen Untermieter. Ehefrau Linda (Sabine Mühlbauer) weiß nichts davon. Sie sorgt sich um andere Dinge, engagiert eine Eheberaterin (Daniela Echterbruch). Irgendwann erkennt Eric Swan, dass ihm die Betrügereien aus dem Ruder gelaufen sind. Er will die erfundenen Hilfeempfänger einfach sterben lassen. Und weiht seinen - diesmal echten - Untermieter Norman Basset (Matthias Spandl) ein, dessen Nerven allerdings auch vor dem Geständnis schon deutlich gespannt waren. Doch ganz so leicht, wie Eric Swan es sich vorstellt, ist es nicht. Vor allem, als ein Außenprüfer des Sozialamts (Benjamin Hellmann) vor der Tür steht und wichtige Unterschriften braucht.
Die Komödie "Cash" ist skurril, verwirrend, absurd. "Alles ist einen Tick drüber", sagt Sabine Kittel. Das wird auch bei der Besetzung deutlich: So spielt Gabriel Raum beispielsweise eine Frau mit Rock und Stöckelschuhen: Sunny Chessington von der Familienfürsorge, die sich um die Angehörigen der angeblichen Verstorbenen einsetzen will, und gleich den Bestattungsunternehmer Mr. Forbright mitbringt (Franz Krauß), der an Karl Lagerfeld erinnert.
Stundenlang auf der Bühne
Seit dem Probenwochenende am 8. und 9. Januar stehen die Darsteller abends stundenlang auf der Bühne, um sich für die Premiere fit zu machen. Noch am Sonntag gab es eine Umbesetzung: Wegen einer Erkrankung von Edelgard Dörre ist Franziska Dietrich ganz spontan eingesprungen, um die strenge Vorgesetzte des Außenprüfers zu spielen, die mit Reitstiefeln und -gerte bewaffnet für Ordnung sorgen will.
"Es ist zwar keine so große Rolle, aber dafür eine umso wichtigere, sagt Regisseurin Sabine Kittel. Und so liegt der Schwerpunkt der letzten Proben auch auf den Szenen am Ende des Stücks, in denen die Vorgesetzte Mistress Cowper auftaucht - und letztlich für einen sehr überraschenden Ausgang sorgt.
Wir brauchen Geld
Landsberg Kurzweilig und äußerst amüsant hat sich der Freitagabend im Stadttheater Landsberg gestaltet. Die schrille und skurrile Inszenierung der Boulevardkomödie "Cash - Und ewig rauschen die Gelder" kam an und das Publikum selbst während der zweistündigen Aufführung aus dem Lachen gar nicht mehr heraus.Von Daniela Wolf
Alles in Schwarz, Weiß und Pink: Die landsberger bühne präsentiert mit "Cash" eine rasante Boulevardkomödie mit unter anderem (von links) Matthias Spandl als Norman Basset, Harald Dollinger als Eric Swan, Sabine Mühlbauer als Linda Swan und Franziska Dietrich als Mistress Cowper.
Foto: Thorsten Jordan
Regisseurin Sabine Kittel inszenierte das reich mit Situationskomik und (oft eindeutig zweideutigem) Wortwitz gespickte Boulevardstück des englischen Autors Michael Cooney, der darin das Thema Sozialstaat in überzogener Art und Weise angeht. Die Landsberger Truppe antwortete ihrerseits mit völliger Überzeichnung der Charaktere und der Bühnenausstattung. Kostüme und Bühnenbild waren in Weiß, Schwarz und - besonders dominant - in grellem Pink gehalten und wirkten angenehm erfrischend und wenig verstaubt. Lediglich vier Türen und einige Styroporwürfel bildeten das labyrinthartige Mobiliar.
In einem Labyrinth von Lügen und Betrügereien befindet sich auch der Protagonist des Stückes, der arbeitslose Eric Swan (Harald Dollinger). Dieser bezieht in Zusammenarbeit mit seinem Onkel George (Götz Hoffmann) Unmengen an Zahlungen vom Sozialamt für seine angeblichen Untermieter. Als dann aber Mr. Jenkins (Benjamin Hellmann) vom Sozialamt auftaucht, gerät das Lügengerüst ins Wanken und das Desaster beginnt. Die Theaterbesucher müssen sich nun in einem heillosen Durcheinander von Verwechslungen zurechtfinden. Aber die Schauspieler überzeugen und führen die Zuschauer, auch, wenn manchmal der Text nicht ganz so gut zu verstehen war, sicher durch das Personen-Wirrwarr.
Harald Dollinger spielt dabei die Figur des betrügerischen, aber sehr sympathischen Eric Swan. Lacher waren vor allem im Duett mit Matthias Spandl garantiert. Spandl bringt mit seiner erfrischenden Spielart die etwas verwirrte Figur des Untermieters Norman Basset hervorragend zur Geltung. Schon wenige Minuten nachdem er, eingehüllt in ein riesiges pinkfarbenes Handtuch, die Bühne betreten hat, bricht das Publikum bei seinem verzweifelten Versuch, eine Arzneiflasche mit Kindersicherung zu öffnen, in schallendes Gelächter aus. Benjamin Hellmann verkörpert stilsicher die Facetten seines Charakters Mr. Jenkins: zu Anfang in steifer Beamtenmanier, später mit zerrissenem Hemd, nass gespritzt von der Waschmaschine und betrunken umherwankend vom Küchensherry. Götz Hoffmann kaufte man die Rolle als manchmal etwas tollpatschiger Onkel George sofort ab. Meist nur mit Unterwäsche und rosa Socken bekleidet erregte er sogar als Leiche noch einige Heiterkeit.
Auch die anderen Charaktere waren passend besetzt: Gabriel Raum als affektierte Frau von der Familienfürsorge, Sabine Mühlbauer als etwas cholerische Ehefrau Linda Swan. Als biedere "Partnerschaftsmoderatorin" Dr. Chapman trat Daniela Echterbruch auf, Franz Kraus spielte den Bestattungsunternehmer und Karl-Lagerfeld-Verschnitt Mr. Forbright, und Franziska Dietrich sorgte als Mistress Cowper zum Schluss der Aufführung für einen überraschenden, für manchen Geschmack vielleicht etwas zu flachen Ausgang.
Das Publikum genoss hörbar den erfrischend witzigen, kurzweiligen Abend und belohnte die Truppe um Regisseurin Sabine Kittel mit donnerndem Applaus und Ovationen.